Netzhautuntersuchung (Retina)

netzhautDie Netzhaut oder Retina (von lateinisch rete „Netz“) ist eine Schicht von spezialisiertem Nervengewebe an der hinteren Innenseite des Auges von Wirbeltieren und einigen Tintenfischen. In ihr wird das auftreffende Licht, nachdem es die Hornhaut, die Linse und den Glaskörper durchquert hat, in Nervenimpulse umgewandelt. Die Netzhaut besteht neben dem lichtempfindlichen Gewebsanteil aus Nervenzellen zur Verarbeitung und Weiterleitung der erzeugten Impulse, sowie aus verschiedenen Unterstützungsstrukturen zur Aufrechterhaltung der Funktion der reizerzeugenden und -verarbeitenden Zellen.

Richtungs- und Lagebezeichnungen
Die Schichten der Netzhaut betreffend bezeichnet man als außen die Seite der Netzhaut, die dem Licht abgewandt ist, also näher zur Außenwand des Augapfels liegt. Als innen wird entsprechend die lichtzugewandte Seite bezeichnet, die dem Augapfelzentrum näher liegt. Das Licht durchläuft die Netzhaut also von innen nach außen. Als vorn (anterior oder distal) bezeichnet man die Netzhautanteile, die am nächsten an den Strukturen des vorderen Augenabschnitts liegen, also in Richtung Hornhaut, Iris und Linse. Hinten (posterior oder proximal) liegen demnach die Netzhautanteile an der Wand des Augapfels, die der Hornhaut gegenüber liegt. Für die Angabe von Richtungen in der Querachse werden die Ausdrücke nasenseitig (nasal) oder schläfenseitig (temporal) gebraucht.

Der größte Teil der Innenfläche des Augapfels ist von der Pars optica retinae bedeckt, welche die Fotorezeptoren trägt. Vorn, etwa 3 mm hinter dem Ziliarkörper (Corpus ciliae), liegt die Ora serrata, die Umschlagstelle und einzige feste Verbindung zwischen der nicht pigmentierten Neuroretina und dem pigmentierten Anteil (retinales Pigmentepithel). Vor der Ora serrata befindet sich die Pars ceca retinae (lat. cecus „blind“), die ganz vorn als Pars ciliaris retinae den Ziliarkörper überzieht. Die vorderen Netzhautabschnitte können am intakten Auge bei der Kontaktglasuntersuchung z.B. mit einem Dreispiegelkontaktglas betrachtet werden.

Der Netzhaut liegt außen die Aderhaut (Choroidea) auf, welche per Diffusion die äußeren Netzhautschichten mit Nährstoffen versorgt. Innen liegt der Netzhaut der Glaskörper (Corpus vitreum) auf. In der Sehnervenpapille geht die Netzhaut hinten in den Sehnerv über, welcher die Nervenfasern der Ganglienzellschicht enthält.

Untersuchungsverfahren
Die Standardmethode zur Untersuchung der Netzhaut ist die Ophthalmoskopie. Sie besteht in der Beleuchtung des Augenhintergrundes und der Betrachtung des reflektierten Bildes mit einer Lupe. Sie wird seit der Erfindung des Augenspiegels durch Hermann von Helmholtz 1851 durchgeführt.

In den letzten Jahrzehnten haben sich mehrere weitere Verfahren zur Netzhautdiagnose etabliert.

Eine relativ neue, technisch herausragende Methode ist die Optische Kohärenztomografie (OCT), die die Abbildung um die dritte Dimension erweitert. Sie ermöglicht zudem die Anfertigung von hochauflösenden Schnittbildern oder auch 3D-Tomographien mit einer zum histologischen Bild vergleichbaren Qualität (Auflösungsvermögen bis 3 µm im Vergleich zu 0,3 µm beim Lichtmikroskop). Hier können die einzelnen Schichten aufgelöst und in ihrer Dicke vermessen werden. Dadurch lassen sich feinste Unterschiede feststellen, die für die maßgeschneiderte Therapie mancher Netzhauterkrankungen oder auch beim Testen von Medikamenten maßgeblich sein können.

Weitere Untersuchungs- und Beurteilungsmöglichkeiten bestehen auf elektrophysiologischer Ebene durch:
» das Elektroretinogramm (ERG)
» das Elektrookulogramm (EOG)

sowie zur Darstellung der retinalen Durchblutung durch
» die Fluoreszenzangiographie (auch FLA, FAG oder Angio abgekürzt)
» die Indozyaningrünangiographie